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Projekt:
Neubau Umweltbundesamt Dessau

Weitere Informationen zum Gebäude sind weiterhin unter www.umweltbundesamt.de erhältlich. Zudem ist eine Dokumentation des Energiekonzepts als pdf-Datei unter www.umweltbundesamt.de hinterlegt.

www.iemb.de
www.zwp.de
www.gfoeb.de
www.mbbm.de
www.umweltbundesamt.de
www.solidar-architekten.de


- Standortangaben: auf dem Gelände des ehemaligen Gasgerätewerks Dessau-Nord, nahe der Innenstadt
- Laufzeit: Fertigstellung 2005
- Projektfortschritt: Konzeptdaten, Planungsdaten
- Investitionen, Förderung: insgesamt 68 Mio. €, Förderung durch das BMWA (Monitoring)
- Projektadressen: Landesbetrieb Bau Sachsen-Anhalt LSA
Sauerbruch Hutton Architekten
Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken e.V. (IEMB)
ZWP Zibell, Willner & Partner
Gesellschaft für ökologische Bautechnik mbH
Müller BBM Berlin
Umweltbundesamt Dessau
sol id ar Architekten und Ingenieure


Der Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau - in Form einer langgezogenen Schleife mit glasüberdachtem Atrium - bietet Raum für rund 790 Beschäftigte, interessierte Bürger sowie für unterschiedlichste Veranstaltungen. Zwei Bestandsbauten - ein altes Bahnhofsgebäude sowie eine frühere Industriehalle - wurden saniert und in die Nutzung einbezogen. Das Energiekonzept umfasst neben hohem baulichem Wärmeschutz eine kontrollierte Lüftung mit Erdreichwärmetauscher und Wärmerückgewinnung, eine Anlage zur solar gestützten Kälteerzeugung sowie eine Photovoltaik-Anlage. Ziele sind ein Gesamt-Energieverbrauch von 50% unterhalb der Vorgaben der Wärmeschutzverordnung (zu Planungsbeginn maßgebend) sowie die Deckung des gesamten Energiebedarfs zu mindestens 15% aus regenerativen Energien. Planungsprozess und Ausführung wurden in Zusammenarbeit mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe vollzogen. Nach erfolgter Fertigstellung werden sämtliche Verbrauchsdaten messtechnisch erfasst und dokumentiert.

Auf dem Grundstück des ehemaligen nördlichen Gasviertels, nahe der Innenstadt, wurde das neue Gebäude des Umweltbundesamts errichtet. In einer sehr heterogenen Umgebung wollte man durch den Bau eine innerstädtische Fläche revitalisieren, die Trennung zwischen Stadt und Landschaft aufheben sowie Architektur und Natur miteinander verbinden. Der gebogene, ca. 460 m lange, viergeschossige und zweihüftige Verwaltungsbau bietet Platz für 790 Arbeitsplätze. Die Nebengebäude sind ein- bis dreigeschossig. Das Hauptgebäude ist vollflächig unterkellert, 85 % sind unbeheizt. Das Raumkonzept setzt sich aus kleinen, gleich gestalteten Einzelbüros zusammen, die mit Gemeinschafts- und Serviceflächen kombiniert werden. Ein glasüberdachter, 3.400 m² großer Innenhof bietet zusammen mit einem Hörsaal Platz für unterschiedlichste Veranstaltungen. Zusätzlich stehen eine Bibliothek und ein Ausstellungsbereich der Öffentlichkeit zur Verfügung. Im alten Wörlitzer Bahnhof wurde das Informationszentrum des UBA untergebracht, eine Cafeteria befindet sich in einen Pavillon im vorgelagerten Park.

Sämtliche Baumaterialien wurden einer Einzelprüfung unterzogen und nach wirtschaftlichen, technischen, ästhetischen sowie nach ökologischen Kriterien bewertet und ausgewählt.

Wesentliche Ziele des Energiekonzepts sind die Unterschreitung der Wärmeschutzverordnung (gültig zum Planungsbeginn) um über 50 %, die Begrenzung des gesamten Elektroenergiebedarfs auf max. 40 kWh/m²NGFa und die Deckung des gesamten Energiebedarfs zu mindestens 15 % aus regenerativen Energiequellen. Man sah eine kontrollierte Lüftung mit Erdreichwärmetauscher und Wärmerückgewinnung, eine solargestützte Absorptions-Kältemaschine und eine Photovoltaik-Anlage vor. Zudem legte man Wert auf einen hohen baulichen Wärmeschutz und eine luftdichte Ausführung der Gebäudehülle.

Mit Beginn des Planungsprozesses wurde vom Bauherrn ein Energiebeauftragter eingesetzt, der in Fragen der Energieeffizienz beratend und kontrollierend zur Seite stand. Zusammen mit der gebildeten Arbeitsgruppe „Energie, Ökologie und Baunutzungskosten“ entwickelte man im Verlauf des Planungsprozesses den Entwurf weiter. So wurde der Glasflächenanteil vermindert und das Lüftungskonzept verändert. Das Team begleitete auch die Bauausführung. Energierelevante Mängel wurden in den laufenden Baubesprechungen erörtert, Lösungen erarbeitet.

Die Grundversorgung des Gebäudes mit Wärme erfolgt über Fernwärme mit einer Anschlussleistung von 1.730 kW im Winter. Die sommerliche Kälteleistung liegt bei 200 kW. 9 % des Energiebedarfs werden über ein externes Deponiegas-BHKW gewonnen, das einen Gesamtnutzungsgrad von 87 % (51 % Wärme, 36 % Strom) aufweist und durch das UBA teilfinanziert wurde. Für die Cafeteria ist ein Gas-Brennwertkessel mit einer Leistung von ca. 260 kW vorgesehen.

Das Gebäude wird über kontrolliert belüftet. Über ein drei Meter tiefes und 4.800 m langes Erdregister erfolgt die Konditionierung für einen Großteil der Zuluft. Die Wärmeleistung entspricht im Winter ca. 86.000 kWh/a und im Sommer einer Kühlungswirkung von ca. 125.000 kWh/a. Die Abluft wird im Sommer über das Atrium geführt. Dabei gelangt die Luft durch ein Überströmelement aus den Büros in die Flure und von dort aus über geöffnete Türen in den Innenhof. Durch den thermischen Auftrieb strömt die Luft über Lüftungsklappen im Glasdach nach Außen. Zur Nachtauskühlung der massiven Bauteile in den Büros werden zeit- und temperaturgebunden Lüftungsflügel automatisch geregelt. Durch Konvektion gelangt die Luft anschließend über das Atrium ins Freie. Im Winter wird eine Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung (Rückwärmezahl = 74 %) betrieben.

Eine solargestützte Kälteerzeugung sorgt für die Kühlung der EDV-Räume. Dabei wird in einer Absorptionskältemaschine mit einer Leistung von 80 kW durch Verdampfung und Absorption eines Kältemittels (Silicagel) der gewünschte Kühleffekt bewirkt. Die Regeneration erfolgt primär (160 von 200 kW) durch solar erwärmtes Heißwasser, das eine thermische Solaranlage mit 354 m² Vakuumröhrenkollektoren liefert. Bei Ausfall der Solarenergie und/oder Stillstand der Brennstoffzellen wird die erforderliche Wärme aus Pufferspeichern bzw. extern durch die Stadtwerke Dessau bereitgestellt. Die Tiefkühl- und Kühlzellen der Kantine werden ebenfalls mittels oben genannter Verbundanlage versorgt. Eine Kompressionskältemaschine wird zur Kühlung der Luft des Hörsaals genutzt.

Der Stromverbrauch des Gebäudes liegt nach Planung bei 40,4 kWh/m²NGFa. Eine in die Verglasung des Atrium-Daches integrierte, 228 m² (netto) große PV-Anlage weist eine Leistung von 31,92 kWp und einen Jahresstromertrag von 24.173 kWh/a auf.

Die Beleuchtung der Büros erfolgt über tageslicht- und präsenzabhängige, direkt strahlende Leuchtstofflampen mit EVG. Die mittlere Beleuchtungsstärke im Büro beträgt 300 lx/m², im Arbeitsbereich werden 500 lx/m² erreicht. Ein Lamellen-Sonnenschutz wird zwischen der Doppel- und der hinterlüfteten Einfachverglasung geführt und manuell bedient. Der Fensterflächenanteil der Außenfassade beträgt 35 % und der Innenfassade 60 %. In den unteren Atriumbüros ist eine Tageslichtnutzung nur eingeschränkt möglich. Der mittlere Lichttransmissionsgrad der Atrium-Dachverglasung mit Sonnenschutz beträgt nur 15 %. Bei Simulationen betrug der Tageslichtquotient in zwei Metern Entfernung von der Fassade ca. 1 %. Um diesen zu verbessern, sah man sturzfreie Fenster, einen hellen Atriumboden, Deckenfarben mit einem Reflexionsgrad von 80 % und Jalousien mit Lichtlenkelementen vor.

Für einen weitgehend automatischen und wirtschaftlichen Betrieb der gesamten technischen Gebäudeausrüstung ist ein frei programmierbares Automatiksystem in DDC-Technik mit einer übergeordneten Gebäudeleittechnik (GLT) für eine vereinfachte Bedienung und zentrale Überwachung der technischen Anlagen vorgesehen.

Der Anteil der regenerativen Energiebereitstellung am Gesamtenergiebedarf beträgt konzeptionell in den ersten fünf Jahren
20 %, ab dem sechsten Jahr 11%. Die Verminderung ergibt sich aus dem geringer werdenden Deponiegas-Vorkommen.

Im Rahmen eines Begleitforschungs-Vorhabens erfolgt die Dokumentation der Planungs- und Bauprozesse sowie ein umfassendes Monitoring der erreichten Energieeffizienz mit anschließender Auswertung. Das Vorhaben wird vom BMWA gefördert und ist Teil des Förderkonzeptes „Energieoptimiertes Bauen, Teilkomplex 3“. Die Forschungsergebnisse sollen in die Lehre eingebracht und über die Mitarbeit im Teilprojekt "SolarBau:Monitor" der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

- veranschlagte Kosten: 65 Mio. Euro
- tatsächliche Kosten: 68 Mio. Euro
(von den Planern auch im Vorfeld ermittelt)

Das Monitoring wurde mit 605.671 Euro im Rahmen des Projekts "Solarbau:Monitor" vom BMWA gefördert. Es läuft noch bis Ende 2007.


Quelle: www.energie-projekte.de

Homepage: www.sauerbruchhutton.de

Ort

6844 Dessau, Sachsen-Anhalt